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Pillergasse 11
Aichberger Architektur

Pillergasse 11

Juni 2017

Blocksanierung: "Ein probates städtebauliches Werkzeug"

 

Das Büro aichberger architektur ZT, Wien/St. Pölten, hat sich auf die Sanierung von Altbauten und ganzen Grätzln spezialisiert

 

"Blocksanierung", sagt der Architekt Andreas Aichberger, "ist ein probates städtebauliches Werkzeug, um Stadtteile und Grätzl strukturell zu verbessern. Der Aufwärtstrend eines Viertels ist im Blocksanierungsgebiet stark zu spüren und wird von den Liegenschafts-Eigentümern als Chance erkannt, um die Wohnqualität im Gebiet zu steigern."

 

Aichberger, Jahrgang 1966, weiß, wovon er spricht. Sein Büro aichberger architekten ZT kann heute auf drei abgeschlossene Blocksanierungen für den Wohnfonds Wien zurückblicken. Ein viertes Projekt wird derzeit im Bereich Linzer Straße in St. Pölten realisiert.

 

Der gebürtige St. Pöltner Andreas Aichberger absolvierte zunächst eine Ausbildung als Bau- und Möbeltischler, bevor er mit dem Architekturstudium begann. 1999 machte er bei Prof. Helmut Richter an der Wiener TU sein Diplom.

 

aichberger architektur ZT ist heute mit einem Team von 17 ArchitektInnen und Designern an zwei Standorten in Wien und St. Pölten tätig. Arbeitsschwerpunkt: Der innerstädtische Wohnbau mit den Spezialgebieten Sanierung, Zubauten und Nachverdichtung. Andreas Aichberger: „Die Stadtteilsanierung steht schon seit 2007 immer wieder auf dem Arbeitsprogramm des Büros wie auch die Beschäftigung mit öffentlich geförderten Bauvorhaben.“

 

Wie nimmt man eine Blocksanierung in Angriff? „Zum einen werden die einzelnen Liegenschaften auf ihr Sanierungspotenzial untersucht - technisch, baurechtlich und förderungsrechtlich. Das ist der kleine Maßstab. Im großen Maßstab geht es dann um den öffentlichen Raum: um die wichtige Erdgeschoss-Zone mit ihren Geschäften und Büros sowie um die allgemeine Aufenthaltsqualität im Freien.“ Liegenschafts-Eigentümer und Stakeholder sind an der Erstellung der Konzepte genauso beteiligt wie öffentliche Dienststellen.

 

Das besondere Augenmerk von aichberger architekten ZT lag in letzter Zeit beim Blocksanierungskonzept Sechshaus im 15. Wiener Gemeindebezirk und dort bei der Sanierung des Jugendstilgebäudes Pillergasse 11, das 1908 vom Architekten Wilhelm Nowak erbaut wurde. Dieses Bauvorhaben konnte, finanziert mit Mitteln des Wohnfonds Wien, 2016 realisiert werden.

 

Im Sanierungsgebiet herrscht eine sehr dichte, aber für den 15. Bezirk typische Innenhofbebauung vor. Durch sensible Maßnahmen (Teilabbrüche, Dachbegrünungen und Hofbegrünung) soll diese aufgelockert werden. Gleichzeitig sollen durch die Nachverdichtung der Straßentrakte attraktive Dachgeschosswohnungen und neue Wohnräume entstehen. Im Zuge dieser Maßnahmen wird auch der Altbestand der Liegenschaften verbessert. Durch Lift- bzw. Balkon-Zubauten sowie thermische Sanierungen kann die ganze Nachbarschaft profitieren.

 

Das Haus Pillergasse 11 mit seiner eleganten Straßenfassade liegt im Nahbereich zum Wiental. Ein Straßentrakt und zwei Seitentrakte bildeten mit der identen, gespiegelten Nachbarliegenschaft im Innenbereich einen dichten Hof mit wenig Licht für die Wohnungen.

 

Als Teil des Maßnahmenkataloges der Blocksanierung Sechshaus – erstellt von aichberger architektur ZT -  wurde das Gebäude durchgreifend revitalisiert und modernisiert. Dabei entschloss man sich, durch eine Abzonung des östlichen Seitentraktes um den Rohdachboden und ein weiteres Geschoss, die Dichte der Bestandsbebauung zu reduzieren, und mehr Licht und Luft in den Innenhof vordringen zu lassen. Der Einbuße von Wohnnutzfläche steht damit eine Verkleinerung der Brandmauer um mehr als sieben Meter gegenüber, was nicht nur für die Mieter des Hauses, sondern vor allem auch für die Nachbarliegenschaften zu spüren ist und die Höfe damit auch gestalterisch aufwertet.

 

Das Gebäude wurde durch einen Liftzubau, eine thermische Sanierung im Innenhofbereich und eine Kellersanierung auf den heutigen Stand gebracht. Gleichzeitig konnte durch Kategorie-Anhebung, den Einbau zeitgemäßer Sanitärräume (WC, Bad) und durch Loggien- und Balkonzubauten die Wohnqualität gesteigert werden. Der Anschluss des gesamten Hauses an die Fernwärme komplettiert die Eingriffe ins Bestandsgebäude.

 

Insgesamt wurden acht Bestandswohnungen mit einer Nutzfläche von 472 Quadratmetern saniert. Die Wohnnutzflächen wurden durch den Anbau von Loggien im Ausmaß von 37 Quadratmetern vergrößert. Balkone und Terrassen mit einer Gesamtfläche von 60 Quadratmetern entstanden neu.

 

An Stelle des Rohdachbodens wurde der Straßentrakt um zwei Dachgeschosse aufgestockt. Der gänzliche Verzicht auf Gaupen in Richtung Pillergasse trägt der Qualität der historischen Jugendstilfassade Rechnung - der Dachausbau tritt somit im Stadtbild zurück.  Den zwei Dachgeschoss-Maisonette-Wohnungen mit einer Größe von 83 und 125 Quadratmetern sind attraktive Dachterrassen in Richtung Süden zugeordnet. Durch den Teilabbruch im Seitentrakt kann nun eine weitere großzügige Dachterrasse einer Wohnung aus dem Bestandsgeschoss zugeordnet werden.

 

Die Jugendstil-Fassade wurde straßenseitig nicht verändert. Es wurde die Farbgestaltung der Entstehungszeit recherchiert und für den Neuanstrich berücksichtigt. Die Hof-Fassade ist geprägt durch Balkone und Loggien. Die Farbgebung nimmt Bezug zur Straßenfassade.