Kunst unter Druck: Internationale Konferenz „IN TOUCH“ in Wien sucht neue Wege des kulturellen Austauschs

Kunst unter Druck: Internationale Konferenz „IN TOUCH“ in Wien sucht neue Wege des kulturellen Austauschs

Das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport ermöglicht gemeinsam mit dem MuseumsQuartier Wien und dem Dialogbüro Vienna am 16. und 17. November 2026 mit „IN TOUCH“ ein internationales Forum zur Freiheit der Kunst. Zu den Gästen der Konferenz zählen Kirill Serebrennikov, Dayna Ash sowie Gründer:innen bedeutender Kulturinitiativen aus Afghanistan, dem Iran und anderen Ländern.

Wie lässt sich künstlerischer Austausch bewahren, wenn Regierungen Kommunikationswege kontrollieren, Reisen erschweren und kritische Stimmen unterdrücken? Und wie können Kulturinstitutionen Menschen unterstützen, ohne sie durch die Zusammenarbeit zusätzlich zu gefährden? Solchen Fragen widmet sich „IN TOUCH – Internationale Konferenz zur Förderung freier Kunst“ am 16. und 17. November im Wiener MuseumsQuartier. Die Konferenz bringt internationale Kunst- und Kulturschaffende, Initiativen und Institutionen zusammen, die auch unter Bedingungen politischer Isolation Verbindungen aufrechterhalten und neue Formen der Kooperation entwickeln.

Kultureller Widerstand zwischen Kabul, Teheran und Moskau

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was kultureller Austausch unter Gefahr bedeuten kann, liefert der legendäre „Secret Reading Club of Kabul“. Seine Gründerin berichtet darüber, wie Frauen in Afghanistan einen Ort schufen, um gemeinsam zu lesen, zu diskutieren und einander zu unterstützen. Efran Ghiasi, Gründer der Tehran Art Biennial und Mitbegründer des Tehran Summit, stellt seine Erfahrungen aus dem Iran vor. Mit ihnen diskutieren Marita Mukkonen und Ivor Stodolsky, die mit „Artists at Risk“ ein internationales Hilfsprogramm für akut bedrohte Kunstschaffende aufgebaut haben.

Wie unabhängige russische Kunst angesichts von Krieg, Repression und Zensur sichtbar bleiben kann, erörtern Helena Gubina und Vladimir Shalamov vom Projekt „Artists Against the Kremlin“ sowie Kunsthistoriker Simon Mraz, dessen 2026 erschienenes Buch „Breaking Frames“ 25 Jahre unabhängige Kunst aus und in Russland beleuchtet. Die Diskussion moderiert die Kulturjournalistin Almuth Spiegler („Die Presse“).

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Nahe Osten. Lama Hazboun, Gründerin des Amman Jazz Festivals, und die Fotografin und Kulturaktivistin Linda Khoury diskutieren die Möglichkeiten kultureller Arbeit in Jordanien und einer von Kriegen und Vertreibung geprägten Region. Dabei geht es auch um die Frage, wie internationale Partnerschaften gegenseitig und verantwortungsvoll gestaltet werden können. Die Moderation übernimmt Raghida Alsangalawi, Kulturstrategin und Leiterin für Kommunikation und Kulturangelegenheiten an der österreichischen Botschaft in Amman.

Dayna Ash, das Queer Muslim Project und neue kulturelle Freiräume

Mit Dayna Ash kommt eine der profilierten Stimmen feministischer Kulturarbeit nach Wien. Die libanesische Künstlerin und Aktivistin gründete „Haven for Artists“ in Beirut und wurde 2019 von der BBC unter die 100 inspirierendsten Frauen gewählt. Gemeinsam mit Rafiul Alom Rahman und Maniza Khalid vom „Queer Muslim Project“, das queeren muslimischen und anderen unterrepräsentierten Stimmen eine Plattform bietet, spricht sie über Kunst, Identität und gesellschaftliche Teilhabe. Das Gespräch moderiert Eva Konzett („Falter“).

Wie sich künstlerische Arbeit zwischen Herkunftsland und Exil verändert, beleuchten die afghanischen Geschwister Tahora und Sayed Jalil Hussaini gemeinsam mit der Wiener Künstlerin und Kuratorin Asma Aiad. Sayed Jalil Hussaini zeigt einen eigens für die Konferenz gedrehten Kurzfilm über Künstler:innen in Afghanistan. Simone Brunner („Die Zeit“) moderiert. Mit „arise.space“ wird außerdem eine digitale Augmented-Reality-Plattform präsentiert, die zensierte oder entfernte künstlerische Äußerungen im Stadtraum virtuell sichtbar macht. Ihr Entwickler nimmt aus Sicherheitsgründen anonym per Avatar teil.

Kirill Serebrennikov über die Kraft künstlerischer Zufluchtsorte

Ein Höhepunkt am 17. November ist der Auftritt des international renommierten Theater- und Filmemachers Kirill Serebrennikov. Der frühere künstlerische Leiter des Moskauer Gogol-Theaters stellt sein 2026 in Berlin gegründetes Festival „Kirill & Friends“ im Kontext historischer Zufluchtsorte für die Kunst vor. Gemeinsam mit der langjährigen Direktorin des Kunstmuseums Nukus, Marinika Babanazarova, und dem Diaghilev-Biografen Sjeng Scheijen beleuchtet er, wie kulturelle Freiräume auch unter schwierigen politischen Bedingungen entstehen können. Simon Mraz moderiert.

Zum Abschluss sollen die Diskussionen in konkrete Handlungsmöglichkeiten münden. In einem von Raghida Alsangalawi moderierten „World Café“ befassen sich die Teilnehmenden mit Vertrauen und Vernetzung, Mobilität und Zugangsbarrieren, Macht und Repräsentation sowie nachhaltigen Kooperationen. Die Ergebnisse sollen in eine abschließende Konferenzdokumentation einfließen.

Die Konferenz bietet auch Gelegenheit zu Interviews mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten – darunter u.a. der Theater- und Filmemacher Kirill Serebrennikov, die Künstlerin und Aktivistin Dayna Ash sowie, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Sicherheitsinteressen, die Gründerin des Secret Reading Club of Kabul. Medieninterviews sind ab Sonntag, 15. November, möglich. Wir ersuchen um vorherige Anmeldung und Terminvereinbarung.

IN TOUCH – Internationale Konferenz zur Förderung freier Kunst

Termin: 16. November 2026, 9.30–19 Uhr (Arena21), und 17. November 2026, 10–14 Uhr (Barocke Suiten)

Ort: MuseumsQuartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien

Veranstalter: Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS), MuseumsQuartier Wien und Dialogbüro Vienna

Konferenzsprache: Englisch

Eintritt: Kostenlos, Anmeldung erforderlich

Programm und Anmeldung: https://www.in-touch-conference.at/

Tag 1: https://www.mqw.at/de/programm/events/museumsquartier/in-touch-1611/20261116-0930/

Tag 2: https://www.mqw.at/de/programm/events/museumsquartier/in-touch-1711/20261117-1000/